Der Verein - Chronik

1979 - 1985

Im Jahr 1979 kommt es zunächst zur Bildung eines "Initiativkreises", der die Gründung eines "Integrierten Kindergartens" in Ingolstadt anstrebt.

Ihm gehören zunächst die oben genannten Personen an. Bald kommen Dipl.- Päd. Peter Freidhoff, Prof. Dr. Reinhold Mühlbauer und Dipl.-Päd./Dipl.- Psych. Angelika Eser-Grabler dazu.

Das Ziel ist, im Kindergarten Verfahrensweisen zu erproben, mit denen sowohl Behinderte als auch Nichtbehinderte Kinder in kleinen Gruppen bestmöglich gefördert werden können.

Bereits am 09.02.1981 wird das Raumprogramm für einen zweigruppigen integrierten Kindergarten beim Oberbürgermeister der Stadt Ingolstadt, Herrn Peter Schnell, eingereicht und gemeinsam mit der Stadt ein Träger für diesen neuen Kindergarten gesucht.
Das erweist sich aufgrund der großen Vorbehalte gegenüber der integrierten Erziehung als recht schwierig.

In der Folgezeit wird die "Interessengemeinschaft Ingolstädter Eltern", die sich bereits mit Fragen "alternativer" Erziehung auseinandergesetzt hatte, in die Konzeption des neuen Kindergartens eingeführt. Man "wirbt" um die Kinder interessierter Eltern und bittet um ihre Mitarbeit.
 
Am 03.07.1981 findet im Kultusministerium in München eine Besprechung statt, um die rechtlichen Grundlagen, die personelle und räumliche Ausstattung sowie einzelne inhaltliche Voraussetzungen zur Gründung eines integrierten Kindergartens in Ingolstadt festzulegen.
An dieser Besprechung im Kultusministerium nehmen teil: Prof. Dr. P. Paulig, Prof. DDr. H. Tschamler, Dr. R. Schnell (damals alle Universität Eichstätt), Stadtdirektor Erwin Gassner von der Stadt Ingolstadt, Dr. Dr. W. Ftenakis vom Staatsinstitut für Frühpädagogik, Frau Gotzen-Blatt von der Regierung von Oberbayern.
Am 09.07.1981 ergeht eine öffentliche Einladung an alle interessierten Eltern zu einem Info-Gespräch, das die Eröffnung des "Modellkindergartens" zum September 1981 ankündigt. Als Träger dieser Einrichtung konnte letztlich die Katholische Pfarrei St. Christoph in Ingolstadt gewonnen werden.
 
Am 01.09.1981 wird einer der ersten integrierten Kindergärten in Bayern eröffnet. Er ist in Räumen des Neuerbauten Klinikums der Stadt Ingolstadt provisorisch untergebracht und findet 1983 sein endgültiges Zuhause im Integrations-Kindergarten St. Christoph in der Vorwaltnerstraße in Ingolstadt.

Das überaus große Interesse der Eltern an der integrierten Erziehung lässt die Initiatoren bald an die Errichtung eines weiteren Kindergartens, aber auch bereits an die Gründung einer Integrationsschule denken.
Zuvor jedoch wollte sich der lnitiativkreis aus verschiedenen Gründen nach außen enger zusammenschließen. Deshalb gründet er am 24.01.1983 den "Förderkreis für integrierte Erziehung in Kindergarten und Schule e.V. Ingolstadt".

Ihm gehören zunächst an: Prof. Dr. Peter Paulig, Prof. DDr. Herbert Tschamier, Dr. Regina Schnell, Dr. Rosa Gottanka, Dr. Johannes Helming, Verena Helming, Dekan Andreas Risch.
Im Lauf der Jahre kommen hinzu: Dipl.-Päd. Peter Freidhoff, Dipl.-Päd./Dipi.-Psych. Angelika Eser-Grabler, Dr. Michael Gerstmayr, Dr. Manfred Plieninger, Rechtsanwalt Fritz Kroll, Horst Langer, Prof. Dr. Reinhold Mühlbauer.

Die Mitgliederzahl ist laut Satzung auf 15 Personen beschränkt. Weitere natürliche und juristische Personen können als "fördernde Mitglieder" aufgenommen werden.
 
1984 nimmt der zweite Integrationskindergarten in provisorischen Räumen im alten Krankenhaus in Ingolstadt seine Arbeit auf.
Er ist kurzzeitig in der Trägerschaft der Stadt Ingolstadt, die dann die evangelische Kirche übernimmt. Auch dieser Kindergarten erhält bald ein neues, den Erfordernissen eines Kindergartens angepasstes Zuhause und trägt von da an den Namen Anne-Frank-Kindergarten.
In den Jahren 1981-1984 erarbeitet das Pädagogenteam des Förderkreises die Konzeption für eine Integrationsschule. Grundlagen hierfür sind das Literaturstudium der Reformpädagogik und Exkursionen nach Schweden, Dänemark, Holland, Italien und in die Schweiz, aber auch nach Berlin, Nordrhein-Westfalen und in den Großraum München.
 

1985 - 1990

Am 24.01.1985 hält der "Förderkreis" den ersten Informationsabend für Eltern von Schulanfängern des Jahres 1985 ab. Zeitgleich tritt er mit der Genehmigungsbehörde, der Regierung von Oberbayern, in Verbindung. Man hält es zunächst für unklug, umfassende Konzepte einzureichen, die dann vielleicht doch keine Aussicht auf Genehmigung haben. Daher hält man es für sinnvoller, in Gesprächen die Möglichkeiten und unabdingbaren Voraussetzungen für die Gründung einer Integrationsschule abzuklären.
Am 01.03.1985 findet das für die Schulgründung entscheidende Gespräch bei der Regierung von Oberbayern statt. Die Teilnehmer waren von Seiten des Förderkreises Prof. Dr. P. Paulig, Prof. DDr. H. Tschamier, Dr. R. Schnell, Dipl.-Päd. P. Freidhoff, für die Stadt Ingolstadt, Oberbürgermeister Peter Schnell; für die Regierung von Oberbayern: Herr Royer, zuständig für Privatschulen; Frau Fischer, zuständig für Sonderschulen; Herr Dr. Hertel, als verantwortlicher Jurist der Schulbehörde.
Nachdem dem Förderkreis durch vorausgehende Gespräche bekannt war, dass weder eine Integrationsschule noch eine Ganztagsschule genehmigt werden wird, Montessori-Schulen aber Aussicht auf Genehmigung haben, legt er zwei Anträge vor: Den einen auf "Genehmigung einer Ersatzschule (Grundschule im Aufbau) als Tagesheimschule nach der Pädagogik Maria Montessoris", den anderen auf "Genehmigung einer Ersatzschule (Grundschulstufe einer Sonderschule für Lernbehinderte im Aufbau) als Tagesheimschule nach der Pädagogik Maria Montessoris".
 
Im Laufe der Verhandlungen wird Integration von Behinderten und Nichtbehinderten ebenso vehement abgelehnt wie die vorgesehene Jahrgangsmischung und die "Ganztagsschule".
Als Verhandlungsergebnis und Kompromiss wird dem Förderkreis die Genehmigung einer privaten Grundschule als Tagesheimschule für gesunde Kinder in Aussicht gestellt und eine vertraglich gesicherte Zusammenarbeit mit der in Ingolstadt bereits bestehenden staatlichen Sonderschule für Lernbehinderte. Diese sollte zum Zwecke der besseren Zusammenarbeit mit der Privatschule die damals neue Form von "Förder- und Diagnoseklassen in schulartabhängiger Form" erhalten.
Weitere Vereinbarungen werden am 12.03.1985 getroffen. Anwesend waren in der Schule für Lernbehinderte in Ingolstadt:

  • Vom Förderkreis:
    Prof. Dr. P. Paulig und Dr. R. Schnell,
  • von der Regierung von Oberbayern:
    Frau Fischer und Herr Meier;
  • vom Staatlichen Schulamt Ingolstadt:
    Herr Schulamtsdirektor Mayerhofer,
    Schulamtsdirektor Kessler und
    der Schulleiter der Sonderschule Herr Theo Hauf.
 

Das Gesprächsergebnis:

In die 1. Jahrgangsstufe der Schule für Lernbehinderte an der Ungernederstraße werden mit Beginn des Schuljahres 1985/86 auch die Behinderten Kinder des Förderkreises, mit Einverständnis der Erzieher und Eltern, aufgenommen. Die Schüler sollen neben dem Unterricht die Kindertagesstätte des Förderkreises besuchen.
Der Leiter der Förder- und Diagnoseklasse in sonderschulabhängiger Art wird seine Unterrichtsgestaltung an der Montessori-Pädagogik orientieren, soweit dies die o.g. Ziel- und Rahmensetzung erlaubt.
Vom Klaßleiter wird erwartet, dass er durch Teilnahme an "Teamgesprächen" und Mitwirkung im Tagesstättenbetrieb die Verbindung zu den Maßnahmen des Förderkreises herstellt und aufrechterhält. Hierbei werden sich auch eventuelle Möglichkeiten für gemeinsame Unterrichtsveranstaltungen "Private GS- Klasse / staatliche SAD-Klasse" abklären lassen.
 
Am 27.03.1985 stellt der Förderkreis dem Kulturausschuss des Ingolstädter Stadtrates die Schulkonzeption vor und bittet um die Zuteilung von Schulräumen; diese werden am 02.04.1985 vom städtischen Schulverwaltungsamt - vorbehaltlich der Zustimmung des Stadtrates - zugesagt.
Am 10.05.1985 bekommt die "Private Tagesheimvolksschule" von der Stadt Ingolstadt drei Räume in der Grundschule an der Ungernederstraße zugewiesen, die im gleichen Gebäude mit der Sonderschule für Lernbehinderte untergebracht ist. Diese räumliche Nähe ist auch eine der Voraussetzungen für die Zusammenarbeit beider Schulen im Sinne der Integration von behinderten und nichtbehinderten Schülern.
Zeitgleich, am 10.04.1985, dann abgeändert am 17.06.1985, stellt der Förderkreis bei der Regierung von Oberbayern den Antrag auf Genehmigung zur Errichtung und zum Betrieb einer "Privaten Tagesheimvolksschule (Grundschule) im Aufbau nach der Pädagogik Maria Montessoris".
 
Am Wochenende des 27./28.04.1985 erscheint eine Anzeige im Donau Kurier, der Ingolstädter Tageszeitung, die die Schulkonzeption plakathaft darstellt und eine Telefoninformation anbietet. Zugleich wird zur Schuleinschreibung am 06.05.1985 eingeladen.
Am 03.05.1985 verschickt der Rektor der staatlichen Grundschule an der Ungernederstraße, in deren Gebäudekomplex die "Neue Grundschule" untergebracht werden soll, an die Eltern "seiner" Schulanfänger einen Brief, aus dem hier zitiert sein soll:
"… In den Veröffentlichungen spielt sich der Förderkreis als Schulsystemverbesserung auf … Kinder wollen keine gegängelte Freizeit und freuen sich auf die Gemeinschaft mit den Eltern …" Versprechungen sind leicht gemacht. Ob sie erfüllt werden, sehen die Eltern leider erst nach Jahren. Es gab vor einiger Zeit die antiautoritäre Erziehung. Wer anders dachte, galt als nicht fortschrittlich. Heute spricht niemand mehr davon.
 
Am 06.05.1985 werden 26 Kinder in die "Neue Grundschule" für den Schulbeginn im September 1985 eingeschrieben.

Die Arbeit mit den Kindern in den integrierten Kindergärten hatte gezeigt, dass für viele Eltern - und nicht nur der behinderten - eine präventive pädagogische und psychologische Beratung und Therapie nicht nur sinnvoll, sondern notwendig ist. Eine zweite Beratungsstelle für Ingolstadt war weder bei der Stadt Ingolstadt noch im Sozialministerium durchzusetzen, obwohl die erste und einzige Erziehungsberatungsstelle in Ingolstadt stets lange Wartelisten führen musste.
Es gelingt aber dem Förderkreis, vertreten durch Prof. Dr. P. Paulig, Prof. DDr. H. Tschamler, Dipl.-Päd. P. Freidhoff und Dipl.- Päd./Dipl.-Psych. A. Eser-Grabler in mehreren "Vorstößen", eine "präventive Beratungsstelle im Rahmen der wissenschaftlichen Vertiefung in der Jugendhilfe" als Modellvorhaben für fünf Jahre vom Sozialministerium gefördert zu bekommen. Dieser so genannte "Pädagogische Beratungsdienst" wurde im Oktober 1985 gegründet und mit Frau Eser-Grabler als Leiterin sowie einem weiteren Psychologen besetzt. Diese Einrichtung besteht bis heute, wird aber nun finanziell von der Stadt Ingolstadt und dem Förderkreis getragen.
Am 11.07.1985 erhält der Förderkreis für integrierte Erziehung von der Regierung von Oberbayern, als der zuständigen Schulaufsichtsbehörde, den Genehmigungsbescheid, zum Beginn des Schuljahres 1985/86 eine private Tagesheimvolksschule (Grundschule) errichten und betreiben zu dürfen. Sie führt nun den Namen Johann-Michael-Sailer-Schule.
 
Für die Betreuung aller Kinder am Nachmittag erweisen sich die zugewiesenen Räumlichkeiten der Schule an der Ungernederstraße hinsichtlich ihrer Anzahl, Größe und Ausstattung als unbrauchbar.

Aufgrund eines glücklichen Zufalls kann der Förderkreis ab Oktober 1985 für die Nachmittagsbetreuung seiner Kinder in Schulnähe (ca. 10 Gehminuten) von der städtischen Bau- und Baulandbeschaffungsgesellschaft eine Jugendstilvilla mit Kutscherhaus und Garten mit altem Baumbestand mieten.

Von Anfang an gestaltet sich die Zusammenarbeit zwischen der ersten Klasse der Johann-Michael-Sailer-Schule (JMS-Schule) und den Förder- und Diagnoseklassen der staatlichen Sonderschule, aber auch das Zusammensein mit der staatlichen Grundschule als schwierig.
Die Hauptproblempunkte sollen skizziert werden:
Es besteht zwischen Lehrern und Psychologen der JMS-Schule und der Sonderschule ein Dissens in Auswahl und Anwendung von Diagnoseverfahren. Daraus folgt eine vorschnelle Aussonderung von Kindern aus der Schule für Lernbehinderte in die Schule für geistig Behinderte.

Es bestehen Neidgefühle gegenüber der Privatschule hinsichtlich der "vorbereiteten Umgebung", die aber, abgesehen vom Montessori-Material, nicht über den finanziellen Rahmen einer "staatlichen" 1. Klasse hinausgeht. Tatsache ist, dass der Leiter der JMS-Schule die ihm zugewiesenen Mittel weitgehend nach eigenen Vorstellungen verwenden kann.

Die freie Zeiteinteilung hinsichtlich der Pausengestaltung kollidiert angeblich mit dem Unterricht in den staatlichen Schulen.

Weitere Neidgefühle werden laut. Sie betreffen das Engagement und die Mitarbeit der Eltern, das Interesse der Öffentlichkeit und der Medien sowie vor allem auch das Vorhandensein einer zweiten "Lehrkraft" und die Mithilfe von Praktikanten und Studenten im Unterricht.
 
Die im Schulkomplex wider Erwarten im Laufe der Jahre sich zuspitzende Raumknappheit gibt zu vielerlei offenen und verdeckten Animositäten gegenüber dem "Eindringling" Anlass. Auch der Elternbeirat der staatlichen Schule wird bemüht, um den unliebsamen "Eindringling" durch Protest am Schulamt loszuwerden.

Die Spitze des nur teilweise latenten Konflikts wird manifest in einem Schreiben der Regierung von Oberbayern an die Vorsitzende des Förderkreises, in dem sie verwarnt wird, weil in der Privatschule angeblich ein bestimmtes geistig behindertes Kind aufgenommen und drei Wochen lang beschult worden sei. Der Vorwurf ist völlig aus der Luft gegriffen. Die oberste Schulbehörde entschuldigt sich.
Erwähnt werden muss aber auch das Positive der konkreten täglichen Zusammenarbeit zwischen einem Teil der Sonderschullehrer und den Lehrern der neuen Grundschule. Es finden "Fallbesprechungen" statt, man tauscht Erfahrungen und Ratschläge aus, Psychologen des Förderkreises beobachten Schüler in beiden "Schularten", beraten Lehrer und Eltern, Sonderschullehrer arbeiten im Nachmittagsbetrieb des Förderkreises mit.

Zwischen den staatlichen Förderklassen und der neuen Grundschule gibt es festgelegte Zeiten der offenen Klassenzimmertür, Schüler/innen werden "ausgetauscht", gemeinsame Projekte entstehen.
Dabei zeigt sich wieder einmal, dass bei einzelnen Schüler/innen eine präzise Zuweisung in die eine oder andere Schulart nicht möglich ist, weil unterschiedliche Diagnose- und Testverfahren zu unterschiedlichen Standpunkten und Entscheidungsgrundlagen für Gutachten führen können.

Aus diesem Grund entscheidet das Staatliche Schulamt für Sonderschulen nach einem bei Schulanfängern durchgeführten Test auch das eine oder andere Mal, dass ein bestimmtes Kind, trotz einer gewissen Lernbehinderung, und weil es bereits einen integrierten Kindergarten besucht hat, die Johann-Michael- Sailer-Schule besuchen darf. Der Förderkreis wertet diese Entwicklung als einen ersten Schritt auf dem Weg zur Integrationsschule, denn er hatte das Ziel, auch offiziell Integrations-Schule sein zu wollen, nicht aufgeben.
 
Ein Gespräch mit dem für die Sonderschulen zuständigen Verantwortlichen im Kultusministerium, Herrn Brandl, bei dem Prof. DDr. H. Tschamler, Prof. Dr. P. Paulig, Dipl.-Päd. P. Freidhoff und Dr. R. Schnell anwesend sind, ermutigt den Förderkreis am 06.03.1987 bei der Regierung von Oberbayern einen Antrag auf "Genehmigung einer integrierten Grundschule als Schulversuch" zu stellen.
Dieser wird mit Schreiben vom 09.09.1987 abgelehnt. Die Begründung lautet: "Schulversuche haben den Zweck, neue Organisationsformen für Unterricht und Erziehung einschließlich neuer Schularten und wesentliche inhaltliche Änderungen zu erproben. Für den beantragten Schulversuch hat eine diesbezügliche Erprobung bereits stattgefunden ... Schließlich dient das vorgeschlagene Modell grundsätzlich nicht der Weiterentwicklung des Schulwesens in Bayern.
Seine Besonderheiten im Hinblick auf die Einbeziehung von Lehrern, Sonderschullehrern, Erziehern und heilpädagogischen Unterrichtshilfen in den regulären Unterricht, die Verteilung der schulischen Arbeiten auf den ganzen Tag und die Elternarbeit als Bestandteil der Unterrichtstätigkeit des Lehrers lassen sich nicht in die Entwicklungsbeispiele des Bayerischen Schulsystems integrieren."
 
Zu dem Zeitpunkt, als die Anmeldungen für das Schuljahr 1987/88 abgegeben waren und nun die dritte Klasse der JMS-Schule gebildet werden musste, steht fest, dass die "Villa Kunterbunt" für die Anzahl der Kinder zu klein geworden ist.

Ebenso bereitet die Organisation und Finanzierung sowie die Versorgung der behinderten Kinder am Nachmittag Probleme. So entschließt sich der Förderkreis für die in Bayern übliche Form des "Hortes", gründet zwei Gruppen und zusätzlich eine "heilpädagogische Gruppe".
Die Platz- und Raumfrage kann aber nur durch die Planung und Durchführung eines Neubaus gelöst werden. So errichtet der Förderkreis gemeinsam mit der Bau- und Baulandbeschaffungsgesellschaft der Stadt Ingolstadt im Garten der "Villa Kunterbunt" ein Gebäude, das folgenden Einrichtungen Platz bieten soll: Einem weiteren zweigruppigen integrierten Kindergarten, einer Therapieeinrichtung und einem dreigruppigen integrierten Hort. Am 25. Juli 1988 erfolgt der erste Spatenstich für diesen Neubau.
1987, mit dem Wachsen der Schule, d.h. mit der immer größeren Anzahl an Kindern, Eltern, Lehrern und Erziehern wird deutlich, dass die bis dahin fast formlos erfolgende Elternarbeit und die informell ablaufenden Fortbildungsveranstaltungen in den Rahmen eines systematischen Angebotes gehören. Auch war das allgemeine Interesse an der Montessori-Pädagogik und an Ausbildungskursen sehr groß. Deshalb gründete Prof. Dr. H. Tschamler und Prof. Dr. P. Paulig im Förderkreis die Pädagogische Akademie, die im Laufe der Jahre wachsende Akzeptanz erfährt.
 
Im September 1987 beginnt der dritte Schülerjahrgang und der Förderkreis muss sich Gedanken über die Zukunft seiner Schüler nach dem Besuch der Grundschule machen. Er sieht für eine Hauptschule zwei Möglichkeiten: Die Fortführung der Schule mit veränderter Konzeption in privater Trägerschaft des Förderkreises oder die Entlassung der Schüler in eine bestimmte staatliche Hauptschule, die aber unter Mitwirkung des Förderkreises hauptsächlich im Sinne der Pädagogik der Arbeitsschulbewegung (Kerschensteiner) umzugestalten ist.
Um die Bedingung des Kultusministeriums für die zweite Möglichkeit abzustecken, findet am 14. März 1988 ein Gespräch im Ministerium statt, an dem von Seiten des Förderkreises Prof. Dr. P. Paulig, Prof. DDr. H. Tschamler, Dr. R. Schnell und Dipl.-Päd. P. Freidhoff teilnahmen. Von Seiten des Kultusministeriums sind Dr. Wittmann und Dr. Göldner anwesend.
Das Ergebnis dieses Gespräches ist, dass der Förderkreis eine "neue" Hauptschulkonzeption für die Jahrgangsstufen 7 bis 9 im Sinne der Arbeitsschulbewegung ausarbeitet, die dann in der staatlichen Hauptschule an der Herschelstraße in Ingolstadt unter vertraglich festgelegter Mitwirkung des Förderkreises verwirklicht werden kann.

Im Mai 1989 findet die schulaufsichtliche Überprüfung der Grundschule durch die Regierung von Oberbayern statt; dem daraufhin gestellten Antrag des Förderkreises auf Errichtung einer Teilhauptschule I (5. und 6. Jahrgangsstufe) wird entsprochen.
 
Mit dem Einzug in den Neubau an der Hindenburgstraße/Ecke Lannerstraße im Herbst 1989 kann der erste integrierte Hort in Bayern mit drei Gruppen zu je 15 Kindern, davon drei behinderten, eröffnet werden.

Im Herbst 1989 nimmt ein weiterer integrierter Kindergarten, nun in der Trägerschaft des Förderkreises, nach dem bewährten Vorbild der bereits bestehenden zwei Integrationskindergärten seine Arbeit auf.
Im Jahr 1989 wird das Therapiezentrum gegründet. Die Gründe: Die Beschulung und Betreuung der behinderten Kinder am Nachmittag hatte einerseits gezeigt, wie unzureichend die Versorgung dieser Kinder im Therapiebereich in Ingolstadt ist; besonders muss hier auf die eklatant mangelhafte Ausstattung mit Logopäden/Innen hingewiesen werden. Zum anderen müssen Kinder oft kilometerweit von einem Therapeuten zum anderen gefahren werden, die aber in der Regel untereinander keinen Kontakt pflegen können. Die Folge ist, dass eine Therapie neben der anderen durchgeführt wird statt sie sinnvoll aufeinander abzustimmen.
Um unterschiedliche medizinisch-therapeutische Hilfestellungen vor Ort geben zu können, verhandelt der Förderkreis, vertreten durch Herrn Freidhoff und Frau Dr. Schnell, mehrfach mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse und dem Klinikum Ingolstadt. Gleichzeitig werden mit dem Jugendamt der Stadt Ingolstadt Gespräche geführt, damit sozial-psychisch bedingte Schädigungen an Kindern ebenfalls therapiert werden können.
 

1990 - 1995

Am 3. März 1990 wird der Neubau an der Hindenburgstraße/Lannerstraße eingeweiht.

1989: Entgegen aller Bevölkerungsprognosen nehmen in Ingolstadt in den staatlichen Grundschulen die Schülerzahlen immer mehr zu. Die aufgrund ständig steigender Schülerzahlen zunehmende Raumknappheit in der Schule an der Ungernederstraße veranlasst den Förderkreis dazu bei der Schulbaubehörde der Regierung von Oberbayern einen Antrag auf Neubau einer Grundschule auf dem Gelände der Schulen an der Ungernederstraße zu stellen.

Vorübergehend muss in Zusammenarbeit mit dem städtischen Schulamt eine neue Bleibe für die jedes Jahr um eine Klasse wachsende JMS-Schule gesucht werden.
Da die Stadt Ingolstadt aufgrund der Reparaturbedürftigkeit einiger "Betonbau-Schulen" ein Ausweichgebäude für diese bereitgestellt hat, die Renovierungsarbeiten aber aus Finanznot noch nicht beginnen können, sind für den Förderkreis Schulräume in der Ringlerstraße zur Miete frei.

Der Umzug der JMS-Schule führt zu einer räumlichen Trennung von der staatlichen Sonderschule für Lernbehinderte. Damit kann die begonnene Zusammenarbeit kaum mehr fortgeführt werden. Aber die bisher vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Schulamt für Sonderschulen trägt nun Früchte. Es wird erreicht, dass behinderte Kinder, die von ihren Eltern an der JMS-Schule angemeldet werden und als geeignet für den Besuch einer Integrationsklasse anzusehen sind, von Sonderschullehrern getestet werden.
 Bis zum heutigen Tag wird vom Schulamtsdirektor der Sonderschulen, Herrn Schneider, keinem dieser behinderten Kinder die Aufnahme in eine Integrationsklasse verweigert. Trotzdem darf sich die JMS-Schule offiziell nicht als "Integrationsschule" bezeichnen und erhält von Seiten der Schulbehörde keinerlei finanzielle Förderung für ihre Integrationsarbeit.
 
Da der Aus- und Umbau der Hauptschule an der Herschelstraße nach der Konzeption der Arbeitsschule, die vom Förderkreis skizzenhaft erarbeitet wurde, von der Stadt Ingolstadt ebenfalls aus Finanzierungsgründen nicht geleistet werden kann, stellt der Förderkreis im Frühjahr 1992 den Antrag auf Genehmigung zur Errichtung einer einzügigen Teilhauptschule II (7. - 9. Jahrgangsstufe). Dem Antrag wird stattgegeben, aber der fortlaufende

Turnus ist um ein Jahr unterbrochen. Seit dem Schuljahr 1994/95 besteht die JMS-Schule als eine vollausgebaute, einzügige neunklassige Volksschule.
Im September 1992 übernimmt der Förderkreis die Trägerschaft eines Schulkindergartens. Den Schulkindergarten besuchen Kinder, die trotz Erreichen der Altersgrenze aus verschiedenen Gründen vom Schulbesuch zurückgestellt wurden.

Das Problem, die von der Stadt gemieteten Räume freimachen zu müssen, wird immer dringender. So beginnt der Förderkreis im Spätherbst des Jahres 1991 mit der Planung eines "Pädagogischen Zentrums". Dort sollen alle Einrichtungen eine gezielte Öffnung auf den Stadtteil hin erfahren. Schule soll als Teil der Stadtteilkultur und -Gemeinschaft in das tägliche Leben der Bewohner integriert werden, als zwangloser Treff für Kleine, Junge und Alte ebenso, wie als Bildungs- und Ausbildungsort.
Zu dieser Zeit wird der Bebauungsplan für den neuen Stadtteil "Hollerstaud'n" erstellt. Er bietet genügend Platz für Gemeinschaftseinrichtungen. Der Förderkreis bewirbt sich und erhält ein Grundstück für sein Vorhaben.

Ein weiterer glücklicher Umstand begünstigt das Bauvorhaben. Frau Malve Fehrer, eine "unserer" Lehrerinnen an der JMS-Schule und Tochter des (inzwischen leider verstorbenen) Grünplaners Prof. G. Grzimek, stellt die Verbindung zum Architekten Prof. Günter Behnisch her, der den Planungsauftrag des Pädagogischen Zentrums übernimmt.
 

1995 - 2000

Der erste Spatenstich zum Pädagogischen Zentrum lngolstadt-Hollerstaud'n findet am 3. Februar 1995 statt, die Grundsteinlegung ist am 6. Oktober 1995. Der Einzug in die nicht ganz fertig gestellten Gebäude erfolgt planmäßig zu Beginn des Schuljahres 1996/97.
Die feierliche Eröffnung und Einweihung des Pädagogischen Zentrums lngolstadt-Hollerstaud'n erfolgt am 14. Februar 1997.

Im September 1998 beginnt der Integrationslehrgang (jetzt Förderlehrgang) seine Arbeit, in dem Schulabgänger die keinen Ausbildungsplatz fanden, während eines Jahres in den Bereichen Küche, Cafeteria und Garten ausgebildet werden.
Zur gleichen Zeit erhielten wir vom Bundesministerium den Modellversuch "Integrationsfachdienst", der die Aufgabe hat schwerbehinderte, arbeitslose Arbeitnehmer in Arbeit zu bringen. Dieser Modellversuch läuft Ende 2001 aus und wird als bleibende Einrichtung weiterhin erfolgreich mit den Arbeitsämtern in Ingolstadt und Donauwörth zusammenarbeiten.
 

2001 - heute

Seit 01.09.2001 gibt es in den Räumen an der Hindenburgstraße eine Kinderkrippe mit 10 Kindern im Alter von 1/2 bis 3 Jahren.
Am 01. Januar 2002 nimmt die Ge.f.Int. mbH, die Gesellschaft für Integration mit beschränkter Haftung, eine 100%ige Tochtergesellschaft des Förderkreises ihre Arbeit auf.
Ihr Ziel besteht darin, für Behinderte Menschen Arbeitsplätze zu beschaffen. Diese Gesellschaft führt also die Arbeit des Integrationsfachdienstes fort.